Agile Manifesto: was bleibt?

07.12.2017

Entsprechen die aktuellen agile Vorgehensmodelle noch dem "Agile Manifesto"?

Ich sehe in den sozialen Netzwerken, Fachzeitschriften und Reviews für Konferenzen immer mehr verschiedene Definitionen für agile Prozessmodelle (Ich benutze hier bewusst den Ausdruck Prozess). Unzählige agile Guides und Cheat Sheets zeugen von dem Wunsch die Agilität in altbekannten Prozessmuster abzubilden. Manche Modelle grenzen schon an "agiles Micro-Management". Vor allem in Scaled Agile scheint es eine grosse Lust an Reglementierung zu geben. Als nehme man einer der Werte des Agile Manifesto nicht als Chance, sondern als Bedrohung wahr: "Responding to change over following a plan". Ich übersetze dies gerne etwas sprechender als "Der Plan folgt der Realität, nur selten die Realität einem Plan".

Leider wurde aufgrund nicht konsequent durchgeführten Versuche mit Scrum, Kanban etc. die Agilität in der Vergangenheit als planloses Chaos wahrgenommen (Scrum ist mehr als einen Scrummaster zu bestimmen und Jira-Task von links nach rechts zu schieben!). Schon nach kurzer Zeit wurden wichtige Scrum-Artefakte wie Review, Retro usw einfach fallengelassen, nur weil sie nicht genügend Zeit hatten ihren wahren Nutzen zu entfalten. Bald darauf war es nur noch ein reaktives FIFO-Modell, das von Mitarbeiter noch belastender als die klassischen Vorgehensmodelle wahrgenommen wurde. "Auf Wiedersehen Mindset-Change!"

Nun scheint sich immer mehr das andere Extrem abzubilden. Nämlich einer Reglementierungs-Wut, die sogar dem Agile Manifesto in seinen Grundsätzen zu widersprechen scheint.

Meiner Meinung nach ist der immer häufiger gewählte Ausdruck "gezähmte Agilität" aus Business Sicht sehr geschickt gewählt, da es das notwendige Gefühl der Kontrolle und Sicherheit generiert. Denn Agil zu sein muss auch bedeuten so weit wie möglich die Kontrolle über eine unsichere Situation zu haben. Auch der Begriff Sicherheit hat durchaus seine Berechtigung, denn es sollte ja heissen: Mit der Sicherheit unserer agilen Vorgehensweise begegnen wir der Unsicherheit im Marktgeschehen. Zwei wichtige Aspekte in Zusammenspiel mit Kunden und Stakeholder. Dies kann aber zu sehr folgeschweren Missverständnissen führe, wenn die beiden Begriffe Kontrolle und Sicherheit nicht im richtigen Kontext angesehen werden. Agilität kann die Marktsituation nicht sicherer machen! Agilität braucht keine Kontrolle von umliegenden Bereichen eines Unternehmens! Denn Modelle wie Scrum und Konsorten sind schon das notwendige Werkzeug der Kontrolle. Richtig angewandt auch die effektivsten in einem unsicheren Handlungsraum wir es der Wirtschaftsmarkt ist. Genau dafür wurde das Agile Manifesto geschaffen!

Individuals and interactions over processes and tools
Working software over comprehensive documentation
Customer collaboration over contract negotiation
Responding to change over following a plan

Aber wie weit darf, kann aber auch muss Agilität in der tatsächlichen Umsetzung gezügelt werden?

David Tzemach beschreibt dies sehr gut in einem seiner Blogbeiträge, auf den ich an dieser Stelle verweisen darf:

The Agile Manifesto - 4 Agile Values Explained ' Supreme Agile






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