Atlassian Roadshow -Agile Evolution im Unternehmen: Wird Atlassian dem Titel gerecht?

01.11.2017

Atlassian machte Station in Zürich mit einer Veranstaltung mit dem Untertitel "Kulturwandel mit Atlassian - DevOps und ITSM erfolgreich gestalten". Wie schon im Titel ersichtlich ist, wird hier gleich der benötigte Wandel eines Unternehmens hin zur Agilität vorausgesetzt. Da auch einer der Vorträge die Digitale Transformation als Titel verwendete, hatten wir gleich alle benötigten Begriffe zusammengefasst um die aufgeschlossene Management-Ebene zu einem Besuch der Veranstaltung zu bewegen...

Aber was erwartete ich mir? Wie es der Titel ankündigte erwartete ich mir in den Vorträgen (zumindest in manchen) zu erfahren wie einem die Atlassian Produkte helfen können einerseits die Agilität eines Projekts abzubilden., andererseits lies mich aber der Untertitel "DevOps und ITMS erfolgreich gestalten" hoffen das auch wenigstens in groben Zügen typische Workflows einer DevOps-Vorgehensweise anhand von Atlassian Produkte gezeigt werden. Dies wäre umso interessanter da ich bis auf Bamboo noch kein Produkt kenne das einen mir bekannten technischen Workflow im Bereich DevOps unterstützt. Ich war gespannt!


UPDATE 04.2018: Aussagen bezüglich Containerunterstützung bei Atlassian Bamboo und Bitbucket Pipelines sind in diesem Beitrag nicht mehr aktuell. Die Unterstützung hierbei ist gewachsen. Zu nennen sind die Weiterentwicklung des Docker Plugins und die Integration in Bamboo Version 6.4 sowie die Möglichkeiten aus Bitbucket Pipelines Container zu erstellen, in Repositorys zu pushen oder auf Kubernetes Platformen zu deployen....

Programmübersicht Roadshow

Die wichtigsten Informationen kurz zusammengefasst:

  • Es wird sehr aktiv der neue Data Center gepusht. Hier versucht man wohl an die Lösungen von Microsoft oder Amazon anzuknüpfen. Über ein flexibles Deployment kann sogar entschieden werden ob eine private Cloud oder gar AWS/Azure als Ziel zum Einsatz kommt. Für grosse Unternehmen sicherlich eine gute Alternative. So muss die Inrastruktur für Atlassian-Produkte auch nicht mehr Inhouse betreut werden, also ein Atlassian as a Service. Für mich insgesamt aber um einiges zu wenig um einen DevOps Prozess zu unterstützen.
  • Die Atlassian User-Group Zürich wurde wieder reaktiviert. Näher hierzu ist auf der Seite der User-Group ersichtlich.

Ansonsten gab es wenige Informationen wie den nun Atlassian den DevOps Prozess mit ihrem Technologie-Stack unterstützen könnte. Es waren dann auch eher 2 Kundenpräsentationen die sehr interessant waren. Zum einen war die ein Vortrag über das neue Datenschutzgesetz und zum anderen eine Präsentation der Swisscom über die agile Transformation eines Teilbereichs in ihrem Unternehmen.

Hier die PDF's aller Präsentationen: Link

Folgend etwas detaillierter wie ich die Veranstaltung wahrgenommen habe:

Innovationskultur bei Atlassian

Dies war wie erwartet die lockere, spassige Einführung um das Publikum "abzuholen". Es gab immer wieder Verweise auf die Agilität und den Grund für deren Anwendung. Besonders gelungen fand ich den immer wiederkehrenden Hinweis warum wir Menschen so Mühe mit Veränderungen haben. Sollte man aber schon so wie ich mehrere Jahre Erfahrung mit der agilen Vorgehensweise haben, hat man eigentlich nichts Neues vernommen. Nun gut, typisch für eine Roadshow.

Klar ausgerichtet auf ein Publikum das wohl über Budgets entscheidet, selbst aber nur sehr wenig Bezug zur Informatik und Agilität hat. Daher war ich gespannt auf den ersten Vortrag.

Digitale Transformation: Wo wir heute stehen:

Von dem Titel war ich schon von Anfang an etwas irritiert. Nicht etwa deshalb da diese Formulierung schon für alles gebraucht wird was irgendwie mit IT zu tun hat. Vielmehr fragte ich wie ein so grosses Thema ein Subthema von Agile Evolution oder gar DevOps sein soll. Ich kann mich eigentlich kurz fassen. Es gab langweilige Infos und typische Motivationsfolien. Kurz, dieser Vortrag bewegte sich auf so oberflächlicher Ebene das ich nichts weiter dazu sagen kann. Eine Ausnahme: Ich kannte die Lazy Eight noch nicht. Das war es auch schon. Keinerlei Infos wie man durch agiles Vorgehen die Digitale Transformation unterstützen kann. Auch keine praktische Beispiele eines Unternehmens das die Digitale Transformation durchgeführt oder wenigsten als Ziel definiert hat. Es wäre laut geworden hätte man Bullshit-Bingo gespielt. Umso mehr erwartete ich mir von nächsten Vortrag.

Förderung der Teamarbeit im agilen Umfeld:

Der Hinweis dass dieser Teil in englischer Sprache abgehalten wird liess mich hoffen. Und ich wurde....... wieder enttäuscht. Auch hier gab es erstens nur eine geschickt verpackte Selbstdarstellung und zweitens eigentlich keinerlei Infos wie den nun die Produkte im Umfeld von Agile und DevOps effizient eingesetzt werden können. Zwar wurde immer wieder auf die Wichtigkeit des Vorgehens verwiesen und auch in groben Zügen versucht den Begriff DevOps dem Publikum näher zu bringen, aber man war weit davon entfernt Ansätze zu präsentieren wie dies denn nun ablaufen sollte. Ich sollte aber auch erfahren warum: Atlassian hat gar kein Produkt-Portfolio die DevOps wirklich unterstützen könnte. Dies wurde klar als die Frage nach Docker Unterstützung lächelnd mit Nein beantwortet wurde. (Ps.: es ist sogar gar nicht so einfach Bamboo selbst als Buildtool in Openshift einzubinden, Docker Image desselben fand ich zumindest nicht). Möglich ist hingegen BuildAgents in Container auszulagern und so von darunterliegenden OS zu isolieren. Reichen Taskverwaltung, ChatTool, ein Wiki und ein Buildserver um DevOps zu komplett zu unterstützen? Sicher nicht!

DSGVO in der EU:

Eine Präsentation der neuen Datenschutzverordnung in der EU. Aber was sollte dies mit dem Thema der Veranstaltung zu tun haben? Nichts, und das war gut so. Endlich eine Präsentation bei der es um einen richtigen Inhalt ging. Man merkte dass es hier nichts zu kaufen gab. Hier nochmals kurz was hier sehr sachlich aber dafür umso informativer gezeigt wurde:

  • Diese Gesetzt wird auch in der Schweiz zu tragen kommen, da es auch mit einem Schweizer Gericht durchsetzbar ist.
  • Neu ist das ab 2018 die Unternehmen proaktiv den Datenschutz dokumentieren müssen.
  • Die Datenerhebung und Datenverarbeitung ist grundsätzlich verboten, außer sie sind durch die Rechtfertigungsgründe des DSGVO ausdrücklich erlaubt.
  • Auf Anfrage (bezogen auf eine natürliche Person) sind die Daten sowie die Art der Verarbeitung (Auch Algorithmen die zur Verarbeitung benutzt werden) offen zulegen.
  • Die Art der Verarbeitung muss für eine betroffene Person transparent und nachvollziehbar sein.
  • Es besteht neu eine Meldepflicht bei Verstössen gegen das Datenschutzgesetz. (Offenlegung von Hacker-Angriffen usw.)

Dies dürfte doch einigen Impact auf die bisherige Vorgehensweise in Unternehmen in der Schweiz haben. Mehr Infos unter: https://dsgvo-gesetz.de/

Hier die PDF der Präsentation: Link

Danach war etwas Networking in der Mittagspause angesagt.


Enterprise-Services von Atlassian:

Hier folgten die  Vorstellungen über das Lizenzmodel und Premium-Support Angebote.


Kundenpräsentation - Transforming an Empire (Swisscom)

Mit leichter Verspätung aufgrund der vielen Fragen beim der Präsentation des DSGVO startete eine von mir gespannt erwartete Präsentation. Hier erwartete ich mir harte Fakten bezüglich der Transformation zu einer agilen Vorgehensweise innerhalb eines sehr grossen Unternehmens. Und ich wurde nicht enttäuscht. Sehr gut wurde anhand von 3 Episoden erklärt wie dies vollzogen wird. Dies von einem PO aus dem Bereich unterstützenden Services. Diese Abteilung stellt die erforderliche Software Infrastruktur für die verschiedenen Entwicklungs-Teams zur Verfügung. In weiten Bereichen ist dies als Tool as a Service realisiert worden.

Natürlich wurde auch bei der Swisscom innerhalb der Entwicklung klar dass es notwendig ist auf Agilität umzusteigen. Es wurde beschlossen die Entwicklung in 2 Bereiche zu unterteilen. Dieses Vorgehen erinnert stark an die schon mehrfach erfolgreich eingesetzte Explore-Exploit Taktik. Dies aber mit dem festen Vorhaben diese beiden Bereiche Mittelfristig wieder zu vereinigen:

Exploit:

Hier sollte der bestehende Betrieb noch mit der klassischen Vorgehensweise weitergeführt werden. Bestehen blieb weiterhin die organisatorische sowie operative Trennung zwischen Dev und Ops. Auch bei den Tools blieb man hier bei den bestehenden Lösungen, da Experimente im laufenden Betrieb nur sehr schwer realisierbar sind. Auch bei der Swisscom gab es ein Zeitalter in dem man auf allerlei Interne Lösungen zur Abbildung von Prozessen oder zur Entwicklung gesetzt hat. Die Chat-Lösung O2 sei hier zum Beispiel erwähnt, die aber dieses Jahr eingestellt wurde. Auch gab es nur wenige Jira-User die sich auf einer lokalen Instanz austobten. Mit Jira und Confluence wurden hier aber mit der Zeit 2 Standartlösungen etabliert. Schnell wurde aber klar dass die Funktionalität von Jira mit Custom-Fields erweitert werden musste um den Anforderungen gerecht zu werden.

Explore:

Zweitens wurde ein weiterer Bereich für die Neuentwicklung auf die agile Vorgehensweise umgestellt. Dev und Ops wurden zumindest organisatorisch in gemeinsamen Entwicklerteams vereint. Die operative Vereinigung soll in einem nächsten Schritt erfolgen. Auch wurde hier die Vorgehensweise umgestellt nach welchen Kriterien die von den Entwicklungsteams benötigten Tools ausgesucht werden. Nicht mehr das Unternehmen bestimmte welche Tools in welchen Teams benutzt werden müssen, vielmehr konnten dies die Teams nun selbst entscheiden. Dies führte natürlich zu einer grossen Vielfalt der eingesetzten Lösungen. Eindrücklich bewies dies eine Folie auf der man die eingesetzten Tools in der Prozesslandschaft der Entwicklung zu sehen bekam. Es verdeutlichte wie sehr dies dem vom Management oft erzwungenen Harmonisierungprozess von Softwaretools wiederspricht. Getreu dem Motto: Nimm das was die Aufgabe optimal unterstützt, unabhängig von welchem Hersteller es kommt. Der Explore-Zweig war übrigens so erfolgreich das er als Entscheidung diente auch die umliegenden Prozesse zu einer agilen Vorgehensweise zu transformieren. Ein sicherlich spannender Prozess in einem so grossen Unternehmen.

Zwei Entscheidungen bezüglich Atlassian-Produkte innerhalb der Swisscom sind zu erwähnen:

Als Build-Tool wird weiterhin Jenkins eingesetzt. Dies ist nicht überraschend, zumal wie schon oben erwähnt Bamboo noch keine volle beziehungsweise bequeme Unterstützung für Container bietet, noch als Master-Image auf DockerHub verfügbar ist. Es entfällt ja somit die Nutzung von Bamboo in zb. OpenShift.

Swisscom wird auf die Atlassian DataCenter Lösung setzten. Dies geschieht um der wachsenden Useranzahl auf den Jira-Instanzen gerecht zu werden. Auch kann so das Performanceprobleme das sich durch das umfangreiche Customizing der Jira Umgebung ergeben hat in den Griff bekommen werden.

Hier die PDF der Präsentation: Link

Alle weiteren Präsentationen waren entweder sehr oberflächliche Verkaufsgespräche aus denen keine weiteren Informationen entnommen werden konnten, mit welchen Tools denn nun ein DevOps Prozess unterstützt wird. Oder ich fand sie schlicht zu wenig informativ um noch weitere 2 Stunden zu bleiben.


Abschliessend kann ich sagen das für mich nicht ersichtlich wurde wie den nun die Atlassian Produkte einen DevOps Workflow unterstützen würden. Natürlich sind Werkzeuge für die Planung, Entwicklung, Dokumentation und Kollaboration vorhanden. Aber die Möglichkeiten für einen automatisierten Prozess vom Code bis zum Release und dem folgenden Betrieb einer Software sind für mich nicht so effektiv wie zum Beispiel die Lösungen von RedHat. Für mich hatte es den Anschein als versuche Atlassian mit seiner Roadshow die Begriffe Digitale Transformation und Agile (wobei hier Atlassian Produkte durchaus hilfreich sind) aber auch DevOps mit ihren Produkten zu verknüpfen, ohne jedoch ausgereifte Workflows mit ihren Tools bereit zu stellen. Der Atlassian DataCenter ist sicher ein notwendiger und begrüssenswerter Schritt der aber die Defizite innerhalb des Entwicklungsprozesses in meinen Augen nicht ausgleichen kann.


UPDATE 04.2018: Aussagen bezüglich Containerunterstützung bei Atlassian Bamboo und Bitbucket Pipelines sind in diesem Beitrag nicht mehr aktuell. Die Unterstützung hierbei ist gewachsen. Zu nennen sind die Weiterentwicklung des Docker Plugins und die Integration in Bamboo Version 6.4 sowie die Möglichkeiten aus Bitbucket Pipelines Container zu erstellen, in Repositorys zu pushen oder auf Kubernetes Platformen zu deployen....


Markus Wagner

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